Uraufführung

7.Oktober 2017, 16 Uhr, St. Katharinen
8. Oktober 2017, 10 Uhr, St. Petri

 

Eine Kantate über den Kosmos, Vergänglichkeit und göttliche Funken

Wir freuen uns sehr, dass Daniel Stickan wieder ein neues Stück für uns geschrieben hat: Feuermusik - Eine Kantate über den Kosmos, Vergänglichkeit und göttliche Funken für Kinderchor, Klavier, Orgel, Percussion und Räucherwerk.

Nach der Reformationskantate und der Wassermusik ist dies die dritte Zusammenarbeit mit dem "komponierenden Musiker", wie er sich selbst gerne bezeichnet. „Ich verstehe mich nicht im 'wirklichen Sinne' als Komponist […]. ‚Schreibtischtäterschaft’ hat mich nie gereizt, ich wollte immer Musik spielen, nicht nur schreiben,“ sagt Stickan über seine Arbeit.

Etwa 60 Kinder aus Currende und Kinderkantorei werden bei den Aufführungen am 7. und 8. Oktober in St. Katharinen und in St. Petri mitwirken und haben bereits mit viel Neugierde und Elan mit der Probenarbeit begonnen.

 

Feuer auf der Brust

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Unsere Grafikerin Simone Brauner schickt ein Update vom T-Shirt-Druck. Ja, genau, das ist Feuer zum Anziehen - wir sind gespannt! Jedes Kind wird beim Auftritt ein solches Feuershirt tragen und so die innere Flamme nach außen sichtbar machen.

 

Das Feuer knistert und glitzert

Es blinkt und glitzert beim Basteln! Wir sind schon ganz aufgeregt und brennen für unsere Feuermusik.

 

Einleitung für Kinder

Liebe Kinder,

mit einem großen Knall und unglaublicher Hitze – so hat alles einmal begonnen. Wir kommen aus dem Feuer! Und um uns herum sind immer noch viele Feuer zu finden. Die warme Sonne brennt am Himmel und spendet Licht. Im Kamin knistert im Winter ein schönes Feuer. Und was wäre ein Geburtstag ohne Kerzen? Ein Sylvester ohne Raketen, ohne Wunderkerzen und ohne Knallerei?

In unserer Welt gibt es viele spannende Dinge, die mit Feuer zu tun haben. Aber Feuer kann auch sehr gefährlich sein. Es kann uns verletzen und Häuser, ja sogar ganze Städte vernichten. Wenn wir uns also an das Feuer wagen, dann müssen wir uns immer auch der Gefahr bewusst sein, die von ihm ausgeht. Dinge müssen verbrennen, damit es Feuer geben kann. Und Feuer bleibt immer nur für eine begrenzte Zeit: irgendwann geht die Kerze aus, die Rakete verglüht und das letzte Holzscheit im Kamin erlischt.

Die Bibel erzählt: Gott ist wie Feuer. In einem brennenden Dornbusch hat er sich Moses vor vielen tausend Jahren offenbart. Sein Feuer war jedoch ein ganz sonderbares Feuer: der Dornbusch brannte, aber er verbrannte nicht. Das ist wirklich seltsam und auch Moses hat das sehr gewundert. Aber Moses hatte auch gleich eine sehr wichtige Frage an Gott: “Wie ist eigentlich Dein richtiger Name?“. Auf dieses Frage gab Gott eine ganz seltsame Antwort. Gott antwortete: „Mein Name ist Ich-bin-da.“ Gott sagt damit, dass er da ist, schon immer da war und immer da sein wird. Seine Zeit und seine Feuer sind nicht wie unsere Zeit und unser Feuer. Das kann uns ein gutes Gefühl geben: niemals werden wir ohne ihn sein.

Es gibt aber nicht nur sichtbare Feuer. Wir „brennen“ für eine Sache, so sagen wir, wenn wir ganz begeistert sind. Manchmal „glühen“ wir vor Begeisterung. Denken wir an Gott, so können wir sicher sein, dass auch er für uns „brennt“. Sein ewiges Feuer geht niemals aus.

Euer Daniel Stickan

 

Einleitung für große Kinder

Liebe große Kinder,

mit einer Temperatur von 10³² Grad Celsius begann das uns bekannte Universum: wir kommen aus dem Feuer! Seitdem kühlt sich das Universum ab und auf der Erde wurde Leben möglich, der richtige Abstand zur wärmenden Sonne erhält uns und alles Lebendige.

Die Nutzbarmachung des Feuers war ein entscheidender Schritt in der kulturellen Entwicklung der Menschheit. Dank des Feuers konnten Menschen Regionen besiedeln, die ursprünglich zu kalt waren, das Feuer schützte vor Raubtieren, das Garen von Fleisch ermöglichte entscheidende evolutionäre Entwicklungen, das Licht des Feuers verlängerte die Tage und legte den Grundstein für Kommunikation und Sprache.

Im Gegensatz zum Wasser, welches ebenfalls Bedingung für alles Lebendige ist, haftet dem Feuer etwas Mysteriöses an. Es transformiert Stoffliches und ist stark vergänglich: nur so lange es „Nahrung“ zur Verfügung hat, bleibt es am Brennen. Die Flammen bleiben dabei unverfügbar: erfühlen wie Wasser und Eis können wir sie nicht, nur die Hitze des Plasmas wird (schmerzhaft) spürbar. Wie tief sich die Empfindung von Feuer in unser Wesen eingelassen hat, zeigt unsere Sprache: wir „brennen“ für eine Sache, haben eine „zündende“ Idee, sind „Feuer und Flamme“, „glühen“ vor Begeisterung oder fühlen uns „ausgebrannt“.

Feuer ist viel mehr als eine Kulturtechnik und Alltagserfahrung: Feuer ist für uns auch ein wesentliches Gefühl für das, was wir sind oder sein könnten. Und wenn wir uns in Beziehung zu Gott erleben und dies zu beschreiben versuchen, dann spielt auch das Feuer eine gewichtige Rolle. Mehr als 400 Mal wird der Begriff in der Bibel genannt. Diese Beziehungen und Erfahrungen bringt die „Feuermusik“ zum Klingen:

Nachdem im Präludium der Kantate das Feuer in seinem Aussehen, seinen Geräuschen und seinen Gerüchen besungen ist, beginnt die Erzählung vom brennenden Dornbusch. Moses ist Zeuge der Selbstoffenbarung Gottes in einem Feuer, welches die Möglichkeiten unserer Wirklichkeit übersteigt: es brennt, ohne etwas zu verbrennen. Die ewige Gegenwart Gottes wird in diesem Bild leuchtend zum Ausdruck gebracht wenn Gott spricht: “Mein Name ist: Ich-bin-da.“

Anschließend erscheinen verschiedene kosmische Feuer, die uns umgeben. Die Sonne und ihre wärmenden Strahlen lassen den Tag beginnen und im sommerlichen Gras liegend strahlen Farben, Wärme und Licht bis ins Blut hinein. Ist die Sonne untergegangen, dann leuchten die Sterne am Himmel in „Zauberhelle“ und verwandeln die Welt. Die unendliche Dunkelheit des kalten Universums wird spürbar und weckt Gefühle von Einsamkeit und Angst. Das Feuer erscheint schließlich mit seiner vernichtenden Kraft und lässt Mörikes „Feuerreiter“ auf die gespenstische Szenerie von Sodom und Gomorrha treffen. Der kalte Hauch der Vergänglichkeit weht herein und der Tod tritt auf den Plan, wenn die entscheidende Frage gestellt wird: “Was wirst Du tun, Gott, wenn ich sterbe?“ Die Frage bleibt unbeantwortet, Hoffnung gibt jedoch die Pfingstgeschichte: Gott brennt für die Menschen, so wie sich sein heiliger Geist in Feuerzungen auf die Köpfe der Apostel setzt. Diese Zusage und Erfahrung gilt auch heute und kann sich in dem „Versuch, gut zu sein“ manifestieren.

So zeigt sich ein flammender Bogen, den auch die Bibel auf wundersame Weise spannt: von der Selbstoffenbarung Gottes im Feuer und der Zusage seiner Gegenwart ganz am Anfang des Alten Testamentes hin zum Pfingstfeuer und anhaltender Inspiration durch Gottes Geist am Ende des Neuen.

Euer Daniel Stickan

 

Daniel Stickan

Copyright Thomas Schloemann

Komponist und Musiker

Daniel Stickan wurde 1980 in Göttingen geboren. Früh begann er sich für Jazzpiano und Kirchenorgel zu interessieren und hatte bereits im Alter von 15 Jahren eine Festanstellung als Organist. An der Hamburger Musikhochschule studierte er künstlerisches Orgelspiel bei Prof. Pieter van Dijk, Jazzpiano bei Prof. Dieter Glawischnig, Vladislav Sendecki, Prof. Jürgen Friedrich und Bobo Stenson und klassisches Klavier bei Prof. Ralf Nattkemper und Prof. Volker Banfield. Er besuchte Orgelmeisterkurse bei Wolfgang Zerer, Harald Vogel, Theo Jellema und Hans-Ola Ericsson.

Daniel Stickan erhielt mehrere Auszeichnungen und spielte als Organist oder Pianist auf Festivals u. a. in Kopenhagen, Montreux, Toulouse, Alkmaar, Prag, Düsseldorf, Hannover, Berlin, Hamburg, Bad Homburg und Göttingen. Sein Orgelrepertoire umfasst neben dem gesamten Orgelwerk von J. S. Bach zahlreiche Werke des 20. Jahrhunderts und sein Interesse und Einsatz für neue Musik führte zu mehreren Uraufführungen. 2009 wurde er als Organist und 2014 als Jazzmusiker Stipendiat des Niedersächsischen Ministeriums für Kultur und Wissenschaft. Er schrieb und spielte Bühnenmusik für Monica Bleibtreu, Jutta Hoffmann und Dietmar Mues und komponierte Neubearbeitungen von Opern von C. W. Gluck, G. F. Händel sowie von Schuberts Winterreise für große Besetzungen.

Seine Kantaten „Nein, lieber Mensch, so nicht!“ (Ko-Komponist: Uwe Steinmetz) und „Wassermusik“ (Auftragskomposition der Hamburger Kinder- und Jugendkantorei) wurden in Hamburger Hauptkirchen uraufgeführt und auf CD veröffentlicht. Von 2007 – 2013 erfüllte er einen Lehrauftrag für Klavier an der Musikhochschule Hamburg. CD Veröffentlichungen (u.a. Bachs Goldberg-Variationen und mehrere Beiträge für die Edition Chrismon) sowie Veröffentlichung eigener Chorsätze im Bärenreiter-Verlag (»Chorbuch Reformation«) und Beiträge für Rundfunk, Fernsehen und Fachzeitschriften ergänzen sein Schaffen. Mit Uwe Steinmetz entwickelt er neue Formen von Kirchenmusik und leitet gemeinsam die „Edition Jazz aus Kirchen“. 2014 organisierten beide im Auftrag der EKD eine Konzert- und Predigtreihe mit 70 Terminen in 14 deutschen Städten, die Jazz und Theologie neu zusammenführte.

Weitere Informationen unter www.stickan.org